Tauben

Der Tag gehört den Tauben. Die Tauben sind überall, wo Menschen eine Weile sitzen und Sonnenblumenkerne kauen. Überall sitzen Menschen mit Sonnenblumenkernen, Zigaretten und Bier. Auf den schiefen Bänken vor den Wohnblöcken. Am Spielplatz im Hof. Um die Menschen herum holen sich die Tauben, was für sie abfällt. Oder sie werden gefüttert. Flattern um eine Frau im dunkelblauen Festtagskleid herum, lassen sich nieder auf ihren Schultern, auf ihrer Hand voller Körner. Die Frau genießt die Aufmerksamkeit der Kinder und Eltern ringsum. Sie murmelt den Vögeln zu: „Ach mein Täubchen. Komm schon her. Nimm noch was.“ Ein schwankender Mann steht neben der Rutsche. Breitet die Arme aus und ruft sie alle herbei, die Grauen und Schmutzigweißen, die Hinkenden und Zerfledderten: „Du Dummerchen, nimm dir mehr. Was zögerst du? Na los. Ich hab noch viel mehr, mein Guter.“ Nach einer Weile dreht er sich zu einem Mädchen auf der Rutsche um: „Nadenka, los! Ab nach Hause!“

Die Tauben wissen, dass der Hof ihnen gehört. Auf ein geheimes Kommando hin segeln sie plötzlich im Tiefflug über den Platz. Knapp über die Köpfe der Kinder und streunenden Hunde hinweg. Wirbeln Staub auf und inspizieren als Suchtrupp das Gelände um die Mülltonnen herum.

Wem ich erzähle, wie hysterisch manche Mütter in Hamburg reagieren, wenn ihr Kind eine Taubenfeder aus dem Sandkasten zieht, schüttelt den Kopf. Hier haben die Tauben einen eigenen Wasserspender: eine halbierte Plastikflasche, groß genug, dass sie auch darin baden können.

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