Blau-Gelb

Das Geländer des großen Dneproges-Staudamms, der die beiden Seiten der Stadt links und rechts des Dnepr verbindet: blau-gelb. Das Geländer der kleinen Brücke im Park nahe der neuen Synagoge: blau-gelb. Die Metall-Sonnenschirme am Dneprstrand gegenüber den gelbgraurot rauchenden Industrieschloten. Die Servietten im französischen Restaurant; die Strohhalme im Moosbeerensaft.

Die Bänder im Zopf eines vielleicht dreizehnjährigen Mädchens, das konzentriert den Liedern eines ukrainischen Folklorechors in der «Glinka»-Philharmonie lauscht.

Das Schleifchen am Hemd des von Mennoniten abstammenden Regionalkundlers in der «Lenin»-Gebietsbibliothek.

Noch nie waren die Nationalfarben so allgegenwärtig. Ukrainische Fahnen und Fähnchen flattern an Verwaltungsgebäuden, Werktoren, Schulen, Kindergärten, Autos, Kinderfahrrädern.

Im Mai gab es einen «Tag der Stickerei». Plötzlich trugen viele Frauen und Kinder Blusen mit ukrainischem Kreuzstichmuster oder T-Shirts mit großen roten Mohnblüten.

In der wichtigsten Talkshow des Landes, «Svoboda Slova», «Redefreiheit», sitzen Männer und Frauen in fein bestickten Trachtenhemden und -Blusen im Publikum und folgen der ausführlichen Diskussion zwischen Frontkämpfern in Camouflage und Politologen in internationalem Schick. Ljuba sieht die Sendung jeden Freitagabend. Sie staunt über mein Staunen angesichts der Folklore im Publikum: «Weißt du nicht, dass die Kinder in der Schule jeden Morgen die Nationalhymne singen? Auch am Ende des Schultags.»

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