Kriegsabgabe

Wir wechseln unsere Euro in Wechselstuben, weil der Kurs dort etwas günstiger ist. Am 6. Mai stand er bei 25,30, in einem Juweliergeschäft, in dem man vor eine spiegelverglaste Wand tritt, in ein Fensterchen spricht, hinter dem ein Mensch zu sitzen scheint, der fragt: «Wieviel?» Der den Packen Grivna-Scheine schweigend durch das Schiebekästchen ausgibt und auf die Frage nach einer Quittung nur «Net» sagt.

In der «Sperbank» im Zentrum von Berdiansk stand der Kurs heute bei 23,09. Es war keine Wechselstube in Sicht, und der Kurs wäre dort ähnlich gewesen. In der Bank gibt es sogar zwei Quittungen. Die erste zur ein- und ausgezahlten Summe, die zweite zur Kriegsabgabe. Der «Вiйськовйи збiр» beträgt 1,5 Prozent der eingezahlten Valuta. Für den Krieg im Donbass hat die Ukraine heute 17,32 Grivna von mir einbehalten, über eine russische Bank.

«Fräulein», ruft der Wachmann in Polizei-Uniform mir nach, «Fräulein! Wir behalten das Geld nicht, es wird auf Anordnung des Präsidenten abgezogen.»

«Finden Sie es nicht merkwürdig, dass offiziell nicht von Krieg gesprochen wird und doch eine Kriegsabgabe zu zahlen ist?»

«Es heißt Anti-Terror-Operation. Schwere Waffen und Panzer sind in so einer Operation nicht erlaubt. Aber eingesetzt werden sie trotzdem. Also ist es ein Krieg. Das haben wir vom Westen gelernt, mit einer gespaltenen Zunge zu reden.»

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