Babki

Laut hallend stöckelt die Chefin der Meldestelle durch ihre Behörde. «Kommen Sie morgen wieder! Ich habe überhaupt keine Zeit. Wir sind in einem Seminar. Kommen Sie morgen früh.»

Am nächsten Morgen frage ich sie, welches Seminar bei ihnen abgehalten wurde. «Über Korruption», erklärt sie. «Kommen Sie rein.» Mit ins Zimmer schlüpft die Juristin der Behörde. Schlank, auf hohen Absätzen wie ihre Chefin, perfekt manikürte Hände und Füße, schwarzweißes, eng auf Taille geschnürtes Kleid, makelloses Make-up, lange Wimpern. Sie tuschelt mit der Chefin, sie verabreden sich fürs Mittagessen oder einen Gang durch die kühlen Geschäfte, die Chefin verschwindet, wir sitzen und warten. Die junge Frau gibt ausführlich Auskunft: «Welches Seminar das war? Es gibt ein neues Gesetz gegen Korruption. Wer Babki annimmt, wird strafrechtlich verfolgt. Das hat harte Konsequenzen. Wir dürfen keine Geschenke annehmen. Allerdings, wenn jemand einem Mitarbeiter unbedingt ein Geschenk machen möchte, kann er es auf dem Schreibtisch hinterlassen. Es darf nicht mehr als 1200 Grivna wert sein. Das wurde geändert. Früher durften wir nur Geschenke in Höhe von 50 Prozent des Existenzminimums annehmen, heute darf es bis zu 100 Prozent des Existenzminimums kosten, 1200 Grivna.»

«Und wenn ich ein Schweizer Taschenmesser schenken möchte, das 190 Euro wert ist?»

«Der Preis steht doch nicht drauf, oder? Wir wissen ja nicht, was es kostet. Wir dürfen es nicht persönlich annehmen, aber der Besucher kann es hinterlegen.»

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